Schottland 2005
Nachdem wir uns für europäisches Verständnis den Nordamerikanischen Kontinent schon recht ausführlich angesehen haben, fangen wir dieses Jahr damit an, den eigenen Kontinent kennen zu lernen. Nicht zuletzt wegen der gemässigten Temperaturen im Hochsommer und der tollen, teilweise wenig berührten Landschaften fahren wir (mit dem Wohnmobil, wie sonst?) nach Schottland.
Bei Lexa in Langenthal mieten wir uns einen Niesmann-Bischoff Arto, und packen bequem direkt vor der eigenen Haustüre. Danach fahren wir in zwei Etappen nach Zeebrugge (Belgien) auf die Fähre, welche uns nach Kingston upon Hull im Nord-Osten von England bringt. Recht zügig fahren wir über Carlisle, an Glasgow vorbei und dann gemütlich ab Oban der Westküste von Schottland in die nörlichsten Ecken der Higlands hoch. Die Route ist grob wie folgt (mehrheitlich der Coastal-Route nach): Oban, Loch Ness, Gairloch, Ullapool, Durness, Thurso, John O’ Groats, Wick, Dornoch, Dundee, St. Andrews, Kirkcaldy. Ab Rosyth gehts wiederum mit der Superfast Ferry in einer 18stündigen Nachtfahrt nach Zeebrugge zurück. In einer letzten Monsteretappe schaffen wir ab 13 Uhr bis abends 22 Uhr die 730 Km zurück auf den heimischen Campground.
Wir erwarten, auf jeder zweiten Weide Galloways (die süssen, zotteligen Hochlandrinder) zu sehen, begegnen aber meist nur grossen Schafherden. Im Reiseführer lesen wir, dass die Schotten früher ganze Landstriche abgeholzt haben, um noch grössere Schafherden haben zu können. Die Schafzucht gehört auch heute noch zu den wichtigsten Einnahme-Quellen, zusammen mit der Fischerei, Rinderzucht und der Oelförderung. Zunehmend gewinnt aber auch der Tourismus und die Hightech-Industrie an Bedeutung.
Eine Anmerkung vorneweg: diese Mauer habe ich stehen lassen! Aber eine fast identische musste bei einem eiligen Wendemanöver unserer Heckstossstange weichen :-( Hier an der Westküste ist der wolkenbehangene Himmel kein Schlechtwetter, sondern Standard. Es ist selbst im Hochsommer um die 12 Grad und fast immer windig. Der dicke Pulli und die Windjacke waren unsere ständigen Begleiter. Trotz oder gerade wegen diesem Wetter sind die Weiden immer schön saftig grün; hier gefällts den Schafen.
Auf der Reise durch Schottland hat man täglich mindestens drei mal die Gelegenheit, ein Castle zu besuchen. Meistens leisten wir uns nur den Eintritt in den meist sehr gepflegten Garten, wie diesen hier im Drumlanrig Castle. Judith gefallen vor allem die schönen Lavendel-Beete, mir die kunstvoll geschnittenen Buchse. Manchmal ist in Nebengebäuden noch (Kunst-) Handwerk zu sehen, wie etwa eine Schmiede.
Ähnlich wie in Frankreich gibts hier viele Kanäle mit Schleusenanlagen und Dreh- und Zugbrücken zu bewundern, welche von Hausboottouristen, Seglern und Fischern passiert werden. Teilweise werden über vier Schleusen in Serie Höhenunterschiede von vielleicht 20 Metern überunden. Ferien auf einem Hausboot könnten wir uns auch ganz gut vorstellen…
Auch hier im Hochland treffen wir auf Ruinen, welche oft teilweise wieder aufgebaut werden, um Touristen anzulocken. Meist ist dabei zu lesen, welcher Kriegsherr unter welchen Umständen hier gelebt regiert und gekämpft hat und wie er zu Tode gekommen ist. Ich stelle mir vor, dass die Lebensumstände hier im 15ten Jahrhundert nicht meinem Geschmack entsprochen hätten.
Auch in Schottland gibts ultrakitschige Sunsets! Diesen hier hatten wir auf unserem Campground in Scourie direkt vor unserem Wohnzimmer um 21 Uhr 36.
Ein kleines Highlight unserer Reise erleben wir beim Besuch des Dunrobin Castle. Das Schloss besitzt eine Falknerei (kannte ich bis anhin noch nicht). Vor einer handvoll Besuchern führt der Falkner mit viel englischem Humor (Flug-) Kunststücke mit zwei Falken und einer Eule vor. Er liess die Falken mitten durch die sitzenden Zuschauer fliegen, dass einem beinahe die Federn streiften. Die Eule ist natürlich der Publikumsmagnet, vorallem, weil sie sich so schön brav von allen fotografieren lässt, nachdem sie gut gefüttert wurde.
Das eigentliche Highlight ist natürlich der Besuch meiner Lieblingsdistillerie Glenmorangie in Tain. In einer Führung lassen wir uns die Anlagen zeigen und erklären, wie der Whisky ensteht. Zuletzt gibts noch einen grossen Schluck zum Probieren ;-) Wer sich dafür interessiert, wie das Wasser des Lebens hergestellt wird, kann dies bei Wikipedia nachlesen. Eine schottische Lebensweisheit besagt: “Drink no Whisky without water and drink no water without whisky!”
An manchen Tagen kriege ich fast einen Fischerdorf-Koller. Der Küstenstrasse entlang führt alle paar Meilen ein für unser WoMo meist etwas zu schmal geratenes Strässchen zum Fischerdorf oder zum “Harbour”. Dieses hier ist Pennan Head mit ungefähr 20 Einwohnern. Wegen der atemberaubenden Kulisse seien hier schon einige Spielfilme gedreht worden, unter anderem Local Hero 1983.
In Fraserburgh besuchen wir die Aussenanlagen des Lighthouse Museum. Das Bild zeigt den ersten Leuchtturm Schottlands, welcher 1770 aus der einstigen Burg von Alexander Fraser, 8. Laird of Philorth umgebaut wurde. Auch ein eindrückliches, dampfbetriebenes, schwenkbares Nebelhorn ist hier zu sehen.
Eine der faszinierendsten Ruinen Schottlands ist das Dunnottar Castle, 3 Km südlich von Stonehaven. Es kommt ohne Festungsmauern aus, da es auf einem 50 Meter hohen Felsen im Meer steht und nur über einen engen Pfad erreichbar ist. Es waren nur wenige Soldaten nötig, um die Burg gegen ein grosses Heer verteidigen zu können.
Ohne Worte, dafür mit Ton
Ein schön buntes Fischerdörfchen in der Region “Fife”. Wir besuchen Crail, Anstruther, Pittenweem und St. Monas. Judith findet eines schöner als das andere, ich bin der Meinung, die ähneln sich alle extrem…
Mit Hilfe des Denkmalschutzes sind in den letzten Jahren viele der Häuser liebevoll restauriert worden. Ist es nicht möglich, ein Dorf touristisch attraktiv genug zu machen, droht der Zerfall der Häuser, da die Jungen mangels Perspektiven alle wegziehen.
Die selbe Kulisse statt in Bunt diesmal aus nacktem Stein, dafür schön bunt bepflanzt. Die Häuser sind nicht isoliert und haben einglasige Schiebefenster. Früher hatte jedes Zimmer eines Hauses einen eigenen Kohleofen. Deshalb wird Schottland auch als das Land der Schornsteine genannt.
Februar 18th, 2007 at 21:14
Hallo,
Wir fliegen im Juni nach Edinburgh , um unsere Tochter (sie studiert dort) zu besuchen. Von dort möchten wir dann für 5 Tage eine kleine Rundreise (u.a.die Highlands) machen.
Da wir aber nichtwissen, wie -habe ich nun ein paar Fragen, mit der Hoffnung, daß sie mir vielleicht weiterhelfen könne.
Die erste Frage, die wir uns stellen, ist ob es kostengünstiger ist ein großes Wohnmobil für 5 Erwachsene zu mieten und über die Insel zu fahren. Und wo darf man damit übernachten – frei oder nur auf Campgrounds??? Sollte man von Deutschland aus mieten oder vor Ort?
Oder sollte man lieber ein Auto mieten und dann in kleinen privaten Unterkünften übernachte. Dann stellt sich natürlich die Frage, muß man vorab buchen, oder kann man je nach Vorwärtskommen spontan im Juni versuchen unterzu kommen.
Welche Strecke wäre für 5 Tage z.B. absolut sehenswürdig bzw. ohne jeden Tag 7 Stunden im Auto sitzen zu müssen, zu bewältigen.
Es gigt so viele Fragen, aber ich wäre über jegliche Tips und Anregungen wirklich sehr dankbar.
So verbleibe ich mit ganz lieben Grüßen
E.Figge
Februar 18th, 2007 at 21:46
Liebe Familie Figge
Weil die Womo-Mieten in England / Schottland astronomisch hoch sind, haben wir direkt bei uns in der CH gemietet und sind per Fähre auf die Insel gefahren. Ich denke, Mietauto und Bed & Breakfast ist für euch die günstigste und flexibelste Variante. Campingplätze sind auch nicht überall zu finden und dann auch recht teuer. Frei stehen ist nicht erlaubt.
Für die Routenplanung empfehle ich Schottland von Reise Know How, ISBN-10: 3-8317-1351-0. Der Coastal Trail von Edinburgh aus ist unsere Empfehlung nordwärts. Meine Lieblingsdistillerie “Glenmorangie” liegt dann auch fast auf dem Weg. Loch Ness unbedingt links liegen lassen, es ist der hässlichste See und ausschliesslich Touristenfalle. Der Strand von Durnoch eignet sich übrigens hervorragend für Heiratsanträge – aber da seid ihr ja schon längst drüber weg :-)
In diesem Sinn: schöne Urlaubstage!
Februar 19th, 2007 at 13:53
Hi,
tausend Dank für die schnelle liebe Antwort.
Wir sind schon ganz aufgeregt, obwohl es noch lange Zeit bis dahin ist.
Also nochmals DANKE
Liebe Grüße aus Wegberg Dalheim
Edith Figge