7. Juni 2008
Kurz vor neun ist alles gepackt, Sohnemann mit Schoppen versorgt und im Sitz verstaut. Das Wetter ist zum Reisen optimal, die Scheibenwischer putzen die Sonnenstrahlen regelmässig von der Frontscheibe. Am Gotthard staut es sich zu unserem Erstaunen und wir nehmen kurzentschlossen die Ausfahrt Göschenen und schieben unser Schneckenhaus den Pass hoch. Beim Hospiz machen wir bei 2°C Aussentemperatur eine Schoppenpause, bevor wir wärmerem Gefielden zu steuern. Bei Milano ist es dann 28°C und ziemlich schwül. Anschliessend fahren wir in ein tüchtiges Gewitter, bevor wir bei leichtem Nieselregen in Lazise auf “unserem” Campeggio die Municipale ankommen. Judith und ich sind dem Computer schon bekannt, “piccolo Linus” muss zum Entzücken der anwesenden Damen noch eingetragen werden. Das Abendessen nehmen wir im WoMo ein, der Abendspaziergang mit Espresso und Grappa di Riserva durch den Ort geniessen wir sehr.
8. Juni 2008

Um halb vier meint Linus, Hunger zu haben. Das ist sehr aussergewöhnlich und kam dieses Jahr noch nie vor. Aber anschliessend lässt er Mama und Papa noch bis halb acht schlafen. Der Morgenspaziergang dem Ufer entlang nach Bardolino gestaltet sich des hohen Seespiegels wegen etwas schwierig. Auf dem Rückweg benötigen wir den Schirm, doch das trübt die Freude kaum. Ab Mittag reisst der Himmel auf und unsere Sonnenstore wird ab sofort ihrem Zweck entsprechend eingesetzt. Am Nachmittag gibts Spassbaden in ungewohnter Umgebung und zur Freude unserer Nachbarn. Das Apero wird auf unserem Minigrill etwas verkohlt; das Pizzablech ist eindeutig zu gross für den Citygrill! Macht aber nichts, den Kohlegeschmack lässt es sich mit gekühltem Oeil de Perdrix vorzüglich spülen.
9. Juni 2008
Nach dem Aufsuchen des Camperservice (so heisst die Ver- und Entsorgung in Italien) fahren wir los und verlassen uns einmal mehr aufs TomTom. Leider habe ich die berechnete Route nicht überprüft, so dass wir plötzlich auf einem Fährterminal stehen. Hektik bricht aus, denn Linus kriegt natürlich genau jetzt Hunger. Eine Stunde später kommen wir östlich von Venedig auf der äussersten Landspitze in Punta Sabbioni an und checken auf dem Campingplatz Miramare ein. Der Platz ist sehr grosszügig angelegt oder kommt uns dank Nebensaison zumindest so vor. Wir richten uns gemütlich ein und Linus kriegt sein Nachmittagsbad.
10. Juni 2008
Wir schaffen es auf 11 Uhr auf die Fähre (zu zweit waren wir auch schon früher dran); Linus Kinderwagen ist mit viel Wasser für uns und Brei für Linus bepackt. In San Marco angekommen werden uns die Schwierigkeiten für den Tag schnell bewusst. Es ist eine Affenhitze, halb Europa ist schon hier und die 400 Brücken in Venedig sind nicht kinderwagentauglich, da ausschliesslich als Treppen gebaut. Es gilt also, alle paar hundert Meter Leute wegzuscheuchen und zu zweit den Wagen hoch und wieder runter zu tragen. Den Rollstuhlfahrern gehts übrigens nicht besser. Trotzdem ist Venice überwältigend mit seinen Bauwerken, Plätzen und Kanälen. Auf dem Canal Grande herrscht emsiges Treiben, aber viel schöner sind die kleinen Kanäle mit den teils traumhaften Gondeln. Linus hält sich extrem wacker und wird kein einziges mal ungeduldig. Ihm gefällts offenbar, den ganzen Tag rumgetragen zu werden. Zurück auf dem Campingplatz gibts für die Grossen eine Dusche und für den Kleinen zum Entzücken der Franzosen gegenüber ein Bad. Wenn Linus badet, ist anschliessend die Wanne leer und der Platz frisch bewässert. Im nahen Restaurant gönnen wir uns einen leckeren Salat und Pizza Calzone.
11. Juni 2008
Noch vor einem Jahr wären wir heute wieder los gefahren und hätten neue Sehenswürdigkeiten aufgesucht. Doch mit klein Sohnemann ist das inzwischen sehr aufwändig und hektisch geworden. Wir entschliessen uns, einen Ruhetag einzulegen. Ich lade die Filme und Fotos aufs MacBook und erkundige mich im Internet nach den Wetteraussichten. Per SMS wurden wir gewarnt, dass die Aussichten ab Donnerstag im Norden relativ bescheiden sind. Nach einem ausgedehnten Apero gehen wir in den Nudelauflauf mit Rotwein über. Weil das verdaut werden muss, spazieren wir trotz drohender Gewitterwolken zum Anlegesteg der Fähren und zurück. Am Schluss gibts noch einen Schlussspurt im Joggingschritt, Linus im Wagen findet das ganz toll. Kaum im Wohnmobil kommt die Sintflut, kombiniert mit einem Temperatursturz auf 15°C, Blitz und Donner sowie Hagel. Rund um uns steht das Wasser 5 cm hoch und mit leichtem Bedauern gucken wir dem emsigen Treiben der Zelter zu.
12. Juni 2008
Wir bezahlen die 63 Euro für 3 Tage Aufenthalt und verlassen diesen tollen Campingplatz wieder. Die 450 Kilometer nach Locarno ins Delta schaffen wir relativ problemlos, Linus meist schlafenderweise. Nach einem kurzen Schock an der Reception (hier kostet eine Nacht ausser Saison Fr. 68.00) beziehen wir dafür unseren schönen Platz direkt am See und richten uns gemütlich ein. Linus will nach diesem faulen Tag noch etwas gefordert und animiert werden, bevor er um halb zehn schlafen geht und wider Erwarten durchschläft.
13. Juni 2008

Locarno ist zu Fuss in 10 Minuten erreichbar und das nutzen wir natürlich. Dort kann man wunderbar promenieren, die Altstadt entdecken und Stracciatella-Eis schlemmen. Den späteren Nachmittag geniessen wir faulenzenderweise unter der Sonnenstore, während Linus sein Nickerchen hält. Auf 19 Uhr ist die Ankunft von Linus Götti mit Familie angekündigt, die verbringen das Wochenende hier, während wir am Samstag nach Hause fahren wollen. Der sizilianische Rosé und das Olivengebäck stehen bereit, die Party kann beginnen :-)
14. Juni 2008
Dank spätem Besuch (siehe Vortag) konnte Linus das ins Bett gehen bis halb zehn verzögern. Dafür lässt er uns bis halb neun am Morgen ausschlafen (Danke für den guten Schluck Rotwein!). Wir lassen uns mit Frühstück und Zusammenräumen Zeit und gehen Punkt 12 Uhr vom Platz, während unsere Freunde das Swiss Miniature besuchen gehen. Die Lastwagen stehen Richtung Nord kilometerlang vor dem Tunnel in den Warteräumen und wir hoffen, glatt durchzukommen; die Verkehrsnachrichten haben nichts Gegenteiliges gesagt. Doch bei der letzten Ausfahrt wird der gesamte PW-Verkehr um- und über den Pass geleitet. Wir sehen von oben, dass die Oelwehr die Fahrbahn am Säubern ist, während offenbar ein defekter Sattelschlepper auf dem Pannenstreifen steht. Wir fahren mit Tempo 20 bis 30 hinter all den wohnwagen-behangenen Autos den Pass rauf, bevor wir Linus oben eine Pause mit Schoppen und Wickeln gönnen. In Buochs kaufen wir im Coop noch das Nötigste fürs Wochenende ein, bevor ich mich zu Hause ans Ausräumen des WoMos mache, während Judith die Berge an Material innen wieder zu verstauen versucht. Ich bin mir sicher, dass Essen und Kleidung noch für locker 4 Wochen gereicht hätten, egal ob Sahara oder Nordpol!
Die gelungenen Ferien feiern wir bei einem leckeren Fondue; schliesslich herrschen hier wieder ganz andere Temperaturen als die von uns gewohnten.
gefahrene Strecke: 1343 Km
gefahrene Zeit: 19:22
durchschnittliche Geschwindigkeit: 69 Km/h
Verbrauch: 10.7 Liter / Km




Weiterhin gute Fahrt und viele schöne Erlebnisse – und setzt bitte den Sohnemann ab jetzt vorschriftsgemäss in das fahrbare Haus…
Der olle Onkel Ruedi weiss ja sicher, dass Sohnemann während der Fahrt in seiner Kiste mit 4-Punkt-Gurte befestigt ist und nur während dem Essen auf dem Beifahrersitz mit dem Gurt gegen das Herunterfallen geschützt wird.
Mir wird fast schwindlig ob all der Ferienstatistik. Am meisten schockt mich aber nicht etwa der Stau am Gotthard, sondern die nächtliche Parkplatzgebühr in Locarno. Für diesen Preis kriege ich weitab von aller Infrastruktur ein Nachtessen, ein Nachtlager und ein Frühstück – und das ohne SAC-Ausweis. Aber ihr hattet doch das ganze Haus und das Essen dabei…??? – Aber item, ä guete Start im Normauläbe.